Warum hängen wir so am Fleisch?

Es ist wohl nicht schwer einzusehen, dass gerade Massentierhaltung den Tieren kein gutes Leben ermöglichen kann. Vielmehr sind die Tiere Bedingungen ausgesetzt, die ihnen vielerlei Leid zufügen. Erschreckend ist dabei, dass nicht nur die Bilder aus der Massentierhaltung einen Eindruck der grausamen Umstände vermitteln, sondern bereits ein Blick in die Gesetzestexte. Schaut man etwa in die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV), so wird einem schnell klar, dass die dort beschriebenen Mindestanforderungen den Tieren nicht gerecht werden können.

Betrachten wir nun exemplarisch die Bedingungen der industriellen Schweinemast. Dabei soll auf die Haltung generell, die Beschäftigungsmöglichkeiten der Tiere und den Transport zum Schlachthof eingegangen werden.

Kennzeichnend für diese Form der Haltung ist die hohe Anzahl an Tieren auf räumlich begrenzter Fläche sowie die auf Effizienz ausgerichtete Versorgung der Tiere. Viele Tiere sollen also mit möglichst wenig Aufwand versorgt werden können. Dabei scheint es so, als ob die Tiere reine Mittel sind, denen nur eine bestimmte Grundversorgung zukommen muss, damit sie schnell wachsen können. Jener Prozess der Rationalisierung übersieht jedoch, dass es sich bei Schweinen um fühlende Wesen handelt. Sie sind also nicht reine Automaten, die wachsen, wenn man sie füttert, sondern sie sind Lebewesen, denen es gut oder schlecht gehen kann und die an den Haltungsbedingungen leiden. Einem über 110 kg schweren Schwein werden gerade einmal 1 m² an Fläche zugesprochen (vgl. §§ 28 und 29 der TierSchNutztV). Es kommt (bedingt durch die Enge, Bewegungsarmut und Monotonie) zu zahlreichen Leerlauf- und Ersatzhandlungen. Eine der bekanntesten ist in diesem Zusammenhang die des Schwanzbeißens. Dabei knabbern die Tiere am Schwanz eines Artgenossen, weil sie fast keine anderen Beschäftigungsmöglichkeiten finden. Das Beißen kann sich dabei bis zum Kannibalismus steigern. Als Reaktion darauf müssen den Tieren Beschäftigungsmaterialien zur Verfügung gestellt werden, welche dem natürlichen Verhalten aber nur in begrenzter Weise gerecht werden können. Bevor die Tiere geschlachtet werden, müssen sie zum Schlachthof transportiert werden. Sie werden dabei aus einer Situation der Reizarmut in eine der Reizüberflutung getrieben, was erheblichen Stress bedeutet. Zudem ziehen sich die Tiere Verletzungen zu – etwa Knochenbrüche, Blutergüsse und Verletzungen der Augen.

Viele stimmen zu, dass die industrielle Massentierhaltung nicht gut sein kann. Einige entscheiden sich im Zuge dessen schließlich, Fleisch aus alternativen Haltungsformen zu konsumieren oder gar kein Fleisch mehr zu essen. Andere bleiben ihren Konsumgewohnheiten treu. Hierbei überschneiden sich der Bereich der Massentierhaltung und der des Essens von Fleisch. Gerade der Punkt des Fleischessens ist sehr stark kulturell verankert und beeinflusst und wirkt damit auch zurück auf die Einstellung bezüglich der Haltung von Tieren. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang etwa ökonomische Interessen. Für den Landwirt, den Händler und den Verkäufer (den Metzger) ist der Konsum von Fleisch existenziell. Außerdem prägt die Werbung bestimmte Lebensbilder und verfestigt mit diesen die Einstellung zu Fleisch: „Wahre Männer verzichten auf Grünzeug und essen Fleisch, denn Fleisch ist ihr Gemüse!“ Auch die Tradition wird in diesem Zusammenhang gerne ins Spiel gebracht oder der Genuss. Die Frage ist jedoch, ob der Verzicht auf Fleisch gänzlich einen Verzicht auf Genuss bedeuten müsse. Der Fleischkonsum, die Massentierhaltung und viele weitere Faktoren bilden ein großes Geflecht, das vergleichbar mit einem verknoteten Wollknäuel ist. Wie man dieses wieder entwirrt, das wird die entscheidende Frage sein.

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